Flow und Achtsamkeit – Wie passen die beiden zusammen?

Grüne Kachel mit dem Text Flow und Achtsamkeit. Ein Artikel von Mechthild Kreuser. Dazu eine Grafik von einer Ranke mit Sukkulenten und dem Link zur Webseite inklusiveAchtsamkeit.de

Kennst du dieses Gefühl, wenn dir eine Aufgabe ganz leicht von der Hand geht und du vielleicht sogar die Zeit vergisst? Diesen Zustand nennt man Flow. In diesem Beitrag beschreibe ich, was Flow ist, wie der Zustand wissenschaftlich erforscht wird, wie wir dies erreichen können und wie Achtsamkeit zu einem besseren Flow-Erleben führen kann.

Blogposts schreiben fällt mir nicht besonders leicht. Ich liebe es, zu schreiben, aber mich dann wirklich hinzusetzen und einen richtig guten Beitrag zu schreiben ist anstrengend. Ich habe das Gefühl,  jedes Wort mit richtig harter Arbeit aufschreiben zu müssen. In den letzten Monaten habe ich jedoch schon einige Posts geschrieben und ich merke langsam, dass es mir immer öfter leichter fällt einen neuen Blogbeitrag zu schreiben. Ich habe natürlich auch mein System für das Schreiben etwas verbessert. Also merke ich von Zeit zu Zeit, dass ich in diesen Flow-Zustand beim Schreiben komme. Die Worte fließen dann quasi aus mir raus. Ob es dann wirklich so gut ist, dass ich es veröffentlichen will, ist die andere Frage. Aber dafür schaue ich ja später auch noch einmal über den Artikel.

Ich komme also beim Schreiben in einen Flow-Zustand und gehe voll in der Aufgabe des Schreibens auf. Ich lasse mich dann auch nicht ablenken von störenden Faktoren in meinem Umfeld. Dies geht natürlich auch nur bis zu einem gewissen Grad. Dazu schreibe ich später noch etwas mehr. 

Zuerst einmal möchte ich eine Definition von Flow geben und wie dieser Zustand wissenschaftlich erforscht wurde und wird. 

Was ist Flow – Eine Definition

Flow bedeutet erstmal voll aufgehen, in der Handlung die gerade ausgeführt wird. Du kannst dich voll auf die Aufgabe, die vor dir liegt, konzentrieren und hast ein gutes Kontrollgefühl über die Handlung. Dieser Flow Zustand kann ein Glücksgefühl auslösen, da dir die Tätigkeit leicht von der Hand geht und auch noch ein Erfolg erzielt wird. Es kann sich so anfühlen, dass du die Zeit vergisst oder alles um dich herum nicht mehr wahrnimmst. Du vergisst dich selber in der Tätigkeit. Es ist ein einfaches, müheloses ausführen einer Beschäftigung. So als ob man ohne viel Anstrengung und spielerisch eine Aufgabe erledigen kann. Auch bekommst du direkt die Rückmeldung, dass dein Ergebnis positiv ist. Wenn du ein Bild malst, siehst du direkt das Resultat. 

Es fühlt sich so an, dass Körper und Geist zusammen arbeiten. Konzentration, Motivation um Tätigkeit kommt aus eigenem Antrieb (intrinsische Motivation) und nicht weil man zum Beispiel einen Preis gewinnen möchte oder jemand anderem etwas beweisen möchte (extrinsische Motivation). 

Hier noch einmal zusammengefasst die wichtigen Faktoren für einen Flow-Zustand

  • Aufgabe passt zu Fähigkeit
  • Fokus und Konzentration
  • Ziel ist klar und erreichbar
  • Unmittelbare Rückmeldung
  • Kontrollgefühl
  • Veränderung der Zeitwahrnehmung
  • Auflösen des Ichs

Wie wurde der Flow erforscht?

Der Begriff Flow im Zusammenhang mit dem Ausführen von Tätigkeiten wurde von dem ungarisch-amerikanischen Psychologen Mihály Csíkszentmihályi bereits 1975 zum ersten Mal beschrieben. Er war Glücksforscher und stellte in seiner Arbeit mit verschiedenen Berufsgruppen fest, dass es diesen Zustand gibt, an dem einem die Aufgabe sehr leicht von der Hand geht und man sich auch noch gut dabei fühlt. Er hat seine Forschung mit Chirurg*innen, Künstler*innen und später auch noch vielen anderen Berufsgruppen durchgeführt.

Jedoch gab es bereits andere Forscher*innen, die sich mit diesem Zustand beschäftigen. Zum Beispiel hat auch Abraham Maslow, den du vielleicht von der bekannten nach ihm benannten Bedürfnispyramide nach Maslow kennst, den Begriff “peak experience” geprägt. Dieser beschreibt einen ähnlichen Zustand wie Flow. Da mittlerweile jedoch Flow der bekannteste Begriff ist, der diesen Zustand beschreibt, nehme ich diesen Ausdruck für den weiteren Artikel.

Wann entsteht Flow?

Der Flow Zustand entsteht, wenn die eigenen Fähigkeiten und der Schwierigkeitsgrad der Aufgabe zusammenpassen. Wenn der Schwierigkeitsgrad der Tätigkeit zu hoch ist für die eigenen Fähigkeiten, entsteht eine Überforderung und Frustration.

Wenn der Schwierigkeitsgrad  der Aufgabe zu niedrig ist für die eigenen Fähigkeiten, entsteht Unterforderung und Langeweile z.B. bei monotonen Handlungen. Beides kann zu einem Gefühl von Stress und Unzufriedenheit führen. Wenn dies zu lange anhält, zum Beispiel am Arbeitsplatz, kann dies zu psychischen Belastungen führen, so wie es in dem Buch „Burnout“ von Dietmar Hansch beschrieben wird. 

Auch ist es, wie oben bereits kurz angeschnitten, wichtig für die Konzentration, dass die Aufgabe in einer relativ ruhigen Umgebung geschehen kann oder wir zumindest in eine Art innere Ruhe und Entspannung kommen können. Denn wenn zu viele störende Faktoren von außen kommen, fällt die Konzentration schwer und du kannst du nicht so leicht in den Flow-Zustand kommen. Selbst Musik im Hintergrund kann dann schon störend sein. 

Wo ist Flow möglich? 

Es ist in verschiedenen Situationen möglich in einen Zustand von Flow zu kommen. Bekannte Beispiele sind bei kreativen Tätigkeiten, wie dem Schreiben oder beim Malen. Auch im Sport ist es möglich Flow zu erreichen. In verschiedenen Studien wurden bei unterschiedlichen Sportarten untersucht, wie ein Flowzustand entstehen kann. Dies passiert, wenn du auf einmal an nichts anderes mehr denkst und dich ganz auf das Ausführen deiner sportlichen Tätigkeit konzentrierst. Ich habe dies zum Beispiel öfter beim Tanzen, wenn ich so in den Bewegungen aufgehen kann, die ich ausführe.

Hier ist zu beachten, dass der Flow-Zustand nicht erzwungen werden kann. Das heißt, es gibt kein Rezept, um regelmäßig wieder dieses Erlebnis zu erreichen.

Jedoch können auch in anderen Aufgaben, zum Beispiel auf der Arbeit, ein Zustand von Flow entstehen. Auch hier ist es dann wichtig, dass die Aufgabe zu deinen eigenen Fähigkeiten passt. Natürlich ist es für die eigene Weiterentwicklung auch wichtig, einmal Aufgaben zu haben, die vielleicht gerade noch etwas zu anstrengend sind. Aber mit der Zeit wirst du hier dann merken, dass es dir besser gelingt und du in einem Zustand von Flow kommst. Wenn du die Aufgabe dann gemeistert hast, wirst du vielleicht merken, dass es dir zu einfach ist und du wirst wieder eine weitere Stufe auf deiner Lernkurve erreichen können.

Flow und Achtsamkeit

Es gibt bereits einige wissenschaftliche Studien, die sich mit den Themen Achtsamkeit und Flow beschäftigten. In einigen Studien wurde bereits nachgewiesen, dass ein achtsamkeitsbasiertes Training, wie zum Beispiel MBSR, einen Flowzustand begünstigen kann (Aherne, Moran & Longsdale von 2011 und Kaufman et al. von 2009).

Gardner und Moore (2004) haben in ihrer Forschung festgestellt, dass Flow und Achtsamkeit beide eine geistige Anwesenheit im gegenwärtigen Moment erfordern und eine selbstvergessene Konzentration auf die bevorstehende Aufgabe. 

In der Arbeit von Jörg Lemmer Schmid wird davon ausgegangen, dass Achtsamkeit und Flow zwei Pole auf einer Dimension sind.  

Achtsamkeit

  • Absichtloses Annehmen
  • Breite Aufmerksamkeit
  • Verlangsamte Zeitwahrnehmung

Im Flow sein

  • Zielorientiert, auswählen
  • Fokussierte Aufmerksamkeit
  • Beschleunigte Zeitwahrnehmung

Er geht davon aus, dass Achtsamkeit einen Flow-Zustand begünstigen kann, da das eigene Handeln, Wollen und Denken durch die Weite der Achtsamkeit in Einklang gebracht werden und dadurch ein Flow-Erlebnis ausgelöst werden kann. 

Wenn wir weder Flow noch Achtsamkeit haben, kann es passieren, dass wir in einen Autopilot-Zustand kommen, in dem wir nicht bewusst anwesend sind und uns die Tätigkeit auch nicht leicht fällt. Dadurch kann wieder Stress entstehen. 

Diese Forschungen zeigen, dass Achtsamkeit und Flow zusammengehören und dazu beitragen können, dass wir unsere Aufgabe mit Freude und Leichtigkeit ausführen können. Vielleicht gibt es Aufgaben, in denen wir mehr mit unserer eigenen Achtsamkeit erreichen und andere Tätigkeiten in denen wir gut in einem Flow Zustand kommen können. 

Fazit

Flow ist ein schöner Zustand, in dem wir voll aufgehen können in unserer Aufgabe. Natürlich ist dies nicht für alles, was wir am Tag machen, möglich. Jedoch gibt es die Möglichkeit durch regelmäßiges Achtsamkeitstraining vielleicht öfter einen Zustand von Flow entstehen zu lassen.

Was ist deine Erfahrung mit Flow? Hast du bestimmte Tätigkeiten, bei denen du besser in den Flow kommst, als bei anderen?

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