Achtsamkeit und Selbstakzeptanz

Titelbild mit dem Text Achtsamkeit und Selbstakzeptanz. Ein Artikel von Mechthild Kreuser - inklusive Achtsamkeit

Sich selbst so zu akzeptieren, wie man ist, fällt wahrscheinlich den wenigsten Menschen immer leicht. In diesem Artikel möchte ich darauf eingehen, was Selbstakzeptanz ist und wie Achtsamkeit hierbei helfen kann.

Die beiden Forscherinnen Shelley Carson und Ellen Langer forschen schon seit vielen Jahre zu den Themen Selbstakzeptanz und Achtsamkeit an der Harvard Universität. In 2006 haben Sie einen Artikel zu dem Thema veröffentlicht, der die Grundlagen ihrer Forschungen zusammenfasst und aus diesem Grund auch heute noch sehr aktuell ist. 

Ein achtsames Leben

Für die beiden Autorinnen ist Achtsamkeit ein offener und flexibler “Geisteszustand” (mindset), in dem wir aktiv bleiben, um Neues in unserer Umgebung wahrzunehmen. Dies steht im Gegensatz zu einem beurteilendem und starren Geisteszustand, der einem zwar ein Gefühl von Sicherheit geben kann, aber der auch geistige Flexibilität nimmt.

Ein achtsames Leben ist eines ohne Vortäuschung unserer Persönlichkeit und ohne die Angst, dass andere uns negativ beurteilen. Menschen die dies umsetzen können, sind voll “Im Moment” und haben keine Angst davor, was andere von ihnen denken könnten. 

Selbstakzeptanz

Selbstakzeptanz bedeutet, sich selber so annehmen können, wie man ist ohne sich dafür zu verurteilen, auch einmal einen Fehler zu machen oder nicht alles gut zu können. Das bedeutet also eine nicht urteilende Wahrnehmung über uns selbst zu haben. 

Auch in der Achtsamkeitspraxis üben wir, Dinge einfach nur wahrzunehmen ohne darüber zu urteilen. Deshalb kann durch Achtsamkeitstrainings langfristig auch die Selbstakzeptanz verbessert werden.

Selbstakzeptanz und unser wahres Ich

Ein wichtiger Aspekt von Selbstakzeptanz ist die Fähigkeit und der Wille, dass andere Menschen unser wahres Ich sehen können. Wenn wir anderen Personen alle Facetten  unserer Persönlichkeit zeigen können, sind wir authentischer, als wenn wir angestrengt probieren unsere vermeintlich negativen Eigenschaften zu verbergen. Wenn andere Personen uns dann sagen, dass Sie uns authentisch finden, fällt es auch uns selbst leichter uns besser zu akzeptieren. 

Beurteilung der eigenen Situation

Wenn wir unsere eigenen Entscheidungen und unsere eigene Lebenssituation positiv beurteilen, verbessert dies unsere eigene Wahrnehmung und Zufriedenheit. Fokussieren wir uns hingegen zu sehr auf negative Aspekte unseres Lebens, kann dies dazu führen, dass unsere Gedanken vor allem um vergangene Situationen kreisen Die vergangen Situatione können wir allerdings nicht mehr ändern. In der Konsequenz fällt es uns dann schwer, achtsam in diesem Moment zu sein, wodurch unsere Selbstakzeptanz wieder negativ beeinflusst wird. 

Wenn wir zum Beispiel ein Eis essen, können wir uns danach entweder schlecht fühlen, weil wir eigentlich gerade nicht so viel Süßes essen wollen. Dies wäre dann eine negative Bewertung der Situation. Oder wir freuen uns, dass wir uns selber etwas Gutes getan haben. Dadurch können wir wieder zu mehr Zufriedenheit im Leben erreichen.

Lebensumstände und Akzeptanz

Ob wir ein Eis essen wollen oder nicht, ist meist eine Entscheidung, die wir nur für uns treffen können. Natürlich ist es nicht immer möglich ist, alle unsere Entscheidungen nur so zu treffen, wie es für eine*n selbst gut ist oder hat man nicht den vollen Einfluss auf die Lebensumstände. Hier macht es dann aber einen Unterschied, ob wir die Situation akzeptieren können, in der wir gerade sind und damit zufrieden sein können. Oder ob wir uns zu viel Gedanken darüber machen, was sonst noch hätte sein können. Dadurch verlieren wir den Blick auf das, was doch noch schön ist. Hier kann Achtsamkeit dabei helfen, diesen offenen Blick zu üben, der uns dabei hilft, das wahr zu nehmen, was gerade ist. Dies bringt uns dann wieder zu mehr Selbstakzeptanz.

Vergleichen mit anderen

Darüber hinaus ist es oft so, dass wir uns mit anderen Menschen vergleichen. Auch dies kann uns unzufrieden machen, mit dem was wir selber schon haben. Sowohl wenn wir in den Medien Personen sehen, die schon viel erreicht haben oder auch wenn wir im direkten Umfeld schauen, was andere Personen bereits erreicht haben. Hier sehen wir hier oft nur das Ergebnis und nicht den Prozess, um dort hinzukommen. Dahingegen haben wir oft größere Problem unsere eigenen Leistungen und Erfolge anzuerkennen und fokussieren uns stattdessen auf was wir noch nicht alles können. Dies macht uns dann unzufrieden. Auch hier kann Selbstakzeptanz dabei helfen, anzuerkennen, wie viel wir auch schon können und wie viel wir auch erreicht haben. 

In einer Studie im Labor von Ellen Langer wurde nachgewiesen, dass Menschen die sich weniger mit anderen Menschen vergleichen 

  • weniger Bedauern über ihre Entscheidungen empfinden
  • sich weniger schuldig fühlen für bestimmte Entscheidungen im Leben
  • sich weniger Vorwürfe machen

als Menschen, die dies mehr tun. 

Menschen, die sich weniger mit Anderen vergleichen, können sich also besser so akzeptieren, wie sie sind.

Strenge Kategorien

Personen die sich weniger mit anderen vergleichen, denken auch weniger stark in strengen Kategorien. Wenn wir in zu strengen Kategorien über uns denken, kann dies dazu führen, dass wir unzufrieden mit uns werden. Denn es wird immer jemanden geben, der aus unserer Außensicht mehr Geld hat, mehr Freunde hat oder wir als besser aussehend, als wir selber beurteilen.

Wenn wir mit einem achtsamen Blick auf uns selber schauen, wird es uns leichter fallen, diese starren Bewertungen aufzubrechen.

Sich selber zu akzeptieren, ist nicht immer leicht. Es gibt Möglichkeiten, durch regelmäßiges Üben, die Selbstakzeptanz zu vergrößern. Im nächsten Artikel beschreibe ich Wege, wie du mit verschiedenen Übungen mehr Selbstakzeptanz erreichen kannst.

Quelle:

Carson, S. H., & Langer, E. J. (2006). Mindfulness and self-acceptance. Journal of Rational-Emotive & Cognitive-Behavior Therapy, 24(1), 29–43.

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