75 – Mit Resilienz Krisen bewältigen – Interview mit Hendrik Heuermann

Grüner Banner mit dem Logo von inklusive Achtsamkeit. Ein i und zwei Blätter, die wie ein kleines A aussehen. Daneben steht inklusive Achtsamkeit. Darunter ein Bild von Hendrik Heuermann. Auf grünem Text steht Mit Resilienz Krisen bewältigen

Für Folge 75 habe ich mit Hendrik Heuermann über das Thema Resilienz im Umgang mit Behinderung und Krankheit gesprochen.

Hendrik Heuermann ist Resilienztrainer und unterstützt sowohl Menschen nach persönlichen Krisen als auch Unternehmen dabei, einen besseren Umgang mit schwierigen Zeiten zu finden. Im Gespräch erzählt er von seinen eigenen Erfahrungen im Umgang mit einer schweren Diagnose und wie wichtig es ist, zwischen Akzeptanz und aktiver Gestaltung des eigenen Lebens zu balancieren. 

Wir sprechen darüber, wie Achtsamkeit und Selbstakzeptanz dabei helfen können, Hoffnung zu bewahren und neue Wege zu gehen – und welche konkreten Übungen im Alltag zu mehr Resilienz führen können.

Über diese Themen sprechen wir in der Folge:

  • Über Hendrik Heuermann
  • Resilienz im Umgang mit Krisen
  • Unterstützung für Menschen mit Behinderung und Krankheit
  • Trauer und Akzeptanz in Veränderungsprozessen
  • Austausch mit anderen Betroffenen
  • Kleine Übungen für mehr Widerstandskraft
  • Achtsamkeit und Selbstakzeptanz
  • Diagnose und Prognose klar unterscheiden
  • Selbstfürsorge durch Kreativität und Musik

Du kannst dir die neue Folge direkt hier anhören

oder überall wo es Podcasts gibt.

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Transkript dieses Beitrags:

Einleitung in Folge 75 

Mechthild [00:00:06]:

Musik – Inklusive Achtsamkeit der Podcast zu den Themen Achtsamkeit und Inklusion mit mir Mechthild Kreuser. – Musik

Hallo, herzlich Willkommen zur Folge 75 von Inklusive Achtsamkeit – der Podcast. Ich freue mich, dass du wieder da bist und eingeschaltet hast.

 Heute geht es um ein Thema, was selber auch sehr wichtig und spannend finde, auch für mich selber und deswegen auch froh bin, da mit einem Experten drüber zu sprechen. Es geht nämlich diesmal um das Thema Resilienz und mit dem Hendrik Heuermann habe ich dazu gesprochen, weil er selber ein Angebot dazu hat, dass er Menschen mit Behinderung oder Krankheit dabei unterstützt, ihre eigene Resilienz zu üben. 

Ich fand es total spannend, was er so geteilt hat mit mir in diesem Gespräch und auch dem Austausch mit ihm über die Themen Umgang mit einer Behinderung und Erkrankung.

Und ich freue mich, dass wir wieder neue Impulse vielleicht auch bekommen, um mit dem, was in unserem Alltag da ist, besser umgehen zu können. 

Den Podcast mit anderen Personen teilen 

Und jetzt wünsche ich dir viel Spaß beim Hören dieser Folge und hoffe, dass du für dich vielleicht etwas mitnehmen kannst. Das kannst du auch gerne mit uns teilen, entweder über Social Media oder per E Mail oder unter dem Blogpost.

Mechthild [00:01:37]:

Also wir haben ja immer ein Transkript auf der Webseite, wo ich noch mal das ganze Gespräch als Transkript zusammenstellt, das falls es für dich leichter ist, es zu lesen, du das gerne machen kannst oder noch mal Impulse vielleicht nachlesen kannst. Und da ist es in unserem Inklusive Achtsamkeit Blog. 

Das heißt, da kannst du natürlich auch kommentieren und wenn du es über Spotify oder Apple Podcast oder einen anderen Plattform hörst, wo man den Podcast bewerten kann, dann wird es mich total freuen, wenn du eine Bewertung da lassen würdest, weil das hilft noch wieder anderen Menschen diesen Podcast zu finden und vielleicht auch Folgen noch mal zu hören, die vielleicht schon älter sind, auch noch mal mehr Reichweite bekommen und das als kleine Werbeblock am Anfang zu diesem dieser Podcast Folge. Und jetzt wünsche ich dir viel Spaß beim Hören dieser Folge. 

Vorstellung Hendrik Heuermann

Hallo Hendrik, danke für deine Zeit ist du heute hier im Podcast zu Gast bist. Ich fange gerne direkt so an, dass du dich einmal vorstellen kannst, wer du bist, was du machst, was du teilen willst.

Hendrik Heuermann [00:02:49]:

Gerne erstmal viele Grüße aus dem völlig zugeschneiten Hamburg. Wir sprechen heute an einem Tag der hier die Stadt völlig unter der Decke von Schnee ertrinkt. So ganz abgefahren im Moment. Genau. Mein Name ist Hendrik, ich bin Resilienztrainer. Also ich mache ganz viel mit Menschen, die durch schwere Zeiten durchgehen müssen, vor allen Dingen nach persönlichen Krisen, in der Regel so medizinisch verursacht. Aber ich trainiere auch mehrere Führungskräfte und halte Vorträge in Firmen, immer zum Thema guter Umgang mit schlechten Zeiten. Und mein Background ist, ich habe das selber erlebt und sozusagen musste am eigenen Leib Resilienz lernen, ob ich wollte oder nicht.

Bedeutung von Resilienz

Mechthild [00:03:49]:

Ja, ist spannend. Genau, der Begriff Resilienz ist bestimmt einigen schon ein Begriff, aber vielleicht kannst du noch mal sagen, was Resilienz bedeutet oder auch was für dich bedeutet.

Hendrik Heuermann [00:04:00]:

Gerne. Also die meisten verstehen unter Resilienz, ehrlich gesagt, was fast trivial ist, nämlich einfach die Rückbesinnung auf den Status quo vor der Krise. Und auch wenn man das nachvollziehen kann, oft ist das natürlich ein fast so ein frommer Wunsch, der nicht klappen kann. 

Wunsch, das es wieder wie vorher ist 

Also viele Firmen, viele Unternehmen stehen vor großen Umwälzungen und sagen, ich hätte aber gern, dass alles wieder so ist wie vorher und sprechen dann von Resilienz. Und das ist für mich aber eher Ignoranz. Wirkliche Resilienz, finde ich, ist eine Krise aufzunehmen und irgendwie sich selber zu verändern, damit man beim nächsten Mal anders auf die Krise reagiert, also in irgendeiner Form daran wächst. 

Jetzt meine ich damit nicht so eine blöde triviale Formulierung wie jede Krise ist eine Chance, manche Krisen sind nur ein Albtraum, ist völlig klar. Trotzdem geht es ja darum, irgendwas daraus zu ziehen, so schlimm und so schlecht die Zeit auch ist.

Bewusster Umgang mit Krisen

Hendrik Heuermann [00:05:28]:

Und ich setze mich eben sehr dafür ein, dass man bewussten Umgang mit so einer Zeit eben anstrebt, um dann wirklich resilient zu werden, beim nächsten Mal eben andersrum besser auf die Krise reagieren zu können.

Mechthild [00:05:46]:

Und du hattest schon gesagt, du machst es sowohl für Unternehmen, dass die diese Resilienz üben können oder wahrscheinlich da die Mitarbeitenden in den Unternehmen, aber auch mit Menschen, die vielleicht ein gesundheitliches Thema haben, wodurch diese Resilienz vielleicht auftritt.

Die Hoffnung nicht verlieren

Hendrik Heuermann [00:06:02]:

So ist es, genau. Also ich war 24 als ich selber eine schwere Diagnose bekommen habe und damals fast ein Gefühl, als ob ich so aus der aus dem Leben gerissen werde und auf der Autobahn aus dem Auto geschleudert werde. 

Und das ist eine Zeit, in der man, finde ich, wahnsinnig allein gelassen wird. Also direkt nach einer Diagnose ist eine sehr, sehr gefährliche Zeit für die Seele. Auch wenn das so ein bisschen jetzt blumig klingt, aber es ist wirklich so, weil die Zeit nach der Diagnose, bevor du jemanden gefunden hast, der dir hilft, ist total gefährlich. Und da verlieren viele Leute Hoffnung. Und ich möchte eben dafür sorgen, dass die Menschen dort eben nicht die Hoffnung verlieren. Und darum mache ich da, also was in dem Fall Sinn macht.

Coaching-Angebote

Hendrik Heuermann [00:07:08]:

Also ich spreche mit Leuten, ich mache so Coaching-Angebote oder auch digital mit einer App und so. Also egal, Hauptsache Menschen sind dann erstmal nicht alleine. Und ich glaube, du weißt, wovon ich rede, wenn ich sage, es ist dann total wichtig, jemanden zu haben, der weiß, wovon er spricht.

Mechthild [00:07:33]:

Ja, das finde ich auch immer auch bei dem Thema Achtsamkeit oder Selbstakzeption. Das ist ja hier auch dann so eine Akzeptanz dieser neuen Situation und den Umgang damit für sich finden. Und wie macht ihr das in euren Angeboten?

Balance zwischen annehmen und hinnehmen

Hendrik Heuermann [00:07:50]:

Also ich sag mal so, das Schwerste für mich damals, es war eigentlich die Balance zu finden zwischen annehmen und hinnehmen. Das sagt man jetzt so vielleicht leicht daher, es hat für mich mehrere Jahre gedauert, das zu verstehen. Aber ich glaube eben, dass es etwas einen Mittelweg gibt zwischen Sachen akzeptieren, die man nicht mehr verändern kann und eben aktiv an dem Leben zu arbeiten und sich dafür einzusetzen für das Leben, was man noch im Griff hat. 

Prozess entwickelt, um Leute zu unterstützen 

Und ich glaube, dass man das nicht mal eben so erklären und dann machen die Leute so, ach so und macht sich Notizen und das war’s. Sondern ich glaube, dass es ein Prozess ist. Und ich habe mir damals so ein Konzept überlegt für 6 Wochen, wo ich glaube, in 6 Wochen kann ich jedem einen besseren Umgang mit einer sehr schweren Zeit zeigen. Also ich sage nur besser, weil ich glaube, niemand kann auch ich nicht sich hinstellen und sagen so, ich mache die Zeit wieder gut, egal was passiert ist bei dir Quatsch. Ich meine, du weißt genau, wie ich.

Hendrik Heuermann [00:09:20]:

Das funktioniert nicht, wenn man es immer von außen sagt. Aber ich glaube, dass man mit so einem genauen Prozess Leuten zeigen kann. Es gibt eine Reihe von Tipps und Tricks und Methoden, die man Leuten schrittweise zeigt. Sagst du, mach erstmal Schritt 1 und dann machst du Schritt 2 und so und am Ende hast du klarer hoffentlich, welchen Teil in deinem Leben du akzeptieren musst und du vielleicht einen neuen liebevollen Blick auf dich selber. Und welchen Teil kannst du noch aktiv gestalten? Wo gilt es jetzt die Ärmel und zu sagen, nö, ich bin aktiv, ich lasse mir jetzt auch nicht andere reden.

Unterstützung bekommen, von jemanden mit ähnlichen Erfahrungen

Mechthild [00:10:12]:

Ja, total wichtige Arbeit und auch Unterstützung zu bekommen von jemanden, der selber diese Erfahrung auch gemacht hat. Weil sonst, wenn man irgendwie vielleicht von einer nicht behinderten oder nicht betroffenen Person diese Tipps bekommt, da denkt man wieder, ja, du hast einfach reden. Aber wenn du diese Tipps mit jemandem teilst, dann wissen die Personen ja, okay, der hat ja auch so ähnliche Erlebnisse vielleicht gehabt.

Hendrik Heuermann [00:10:37]:

Ich merke das sogar in Vorträgen, die ich in Unternehmen halte. Also bei dem Titel Resilienz dehnen die meisten schon die Augen und sagen, oh ne, nicht schon wieder. Wenn der Referente aber im Rollstuhl auf die Bühne kommt, ist Ruhe im Saal, weil den Leuten dann sofort klar ist, ach so, der meint so wirklich Resilienz. Das hat natürlich eine andere Wirkung. 

Und das glaube ich, gilt auch für Gespräche nach der schweren Diagnose. Ich weiß natürlich letztlich nicht wirklich, wie fühlst du dich, wenn du gerade zum Beispiel gehört hast, du hast Parkinson oder ALS oder irgendwie sowas Zerstörerisches. Nein, aber ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn alle um dich rum mit dem Schultern zucken und sagen, ja, dein Leben ist vorbei und dann brauchst du eigentlich jemanden, der sagt, nein, dein Leben ist nicht vorbei.

Übung, um besser mit Diagnose umzugehen

Mechthild [00:11:40]:

Und was wäre so eine Übung, die man vielleicht im Alltag auch schon machen kann, um seine eigene Resilienz zu stärken? Oder was gibst du da vielleicht als Tipp mit?

Hendrik Heuermann [00:11:50]:

Ja, also das ist vielleicht ein bisschen kontraintuitiv. Der erste Schritt ist, und ich weiß, das klingt jetzt ein bisschen esoterisch und so, das weiß ich, aber der erste Schritt ist zu erkennen, wo musst du sanft sein zu dir und wo hart. 

Also nur als Beispiel, es bringt nichts, wenn ich nicht zwinge, ich muss aber zehnmal am Tag springen, so hoch ich kann. 

Das ist eine Aufgabe, die ich mir selber stelle, woran ich scheitern muss. Es macht überhaupt keinen Sinn. Aber trotzdem regelmäßig, sage ich mal, zu üben, wo kann ich denn mich selber überwinden um so ein Grundwillen zu entwickeln. 

Im kleinen üben, hart zu dir zu sein

Das könnte so was Simples sein, jeden Tag duschen. Und ich weiß, klingt ein bisschen trivial, aber ich sag wirklich andeuten, wenn du lernen willst, Disziplin zu entwickeln und wirklich auch so ein bisschen schulterzuckend auf schwere Zeiten zu reagieren, da musst du im Kleinen üben, auf eine gewisse Weise hart zu dir zu sein. Und dann hilft sowas wie kalt duschen oder so bestimmte Atemübungen von dem Trainer Wim Hofm können sich auf YouTube anschauen. Wo es immer darum geht, sein Nervensystem zu beruhigen, aber trotzdem zu trainieren, Lust anzuhalten und so unangenehme Körperempfindungen auszuhalten.

Auch sanfter mit sich selbst sein 

Hendrik Heuermann [00:13:32]:

So auf der einen Seite sowas üben, aber auf der anderen Seite eben auch, sage ich mal, so sanfter zu sich selber zu sein und wirklich Abschied zu nehmen von so vielen und Wünschen und genauen Vorstellungen, die man hat übers Leben. 

Der Trauerkompass als Übung

Also ich habe zum Beispiel sowas gemacht wie, das habe ich auch von sehr vielen Kunden gemacht, so ein Trauerkompass könnte man sagen, also vier Richtungen aufschreibst, also Norden, Süden, Osten, Westen sozusagen. 

Dann schreibst du auf was muss ich gehen lassen, was habe ich gelernt, was muss ich verändern und was musste ich neu in mein Leben bringen? Und wenn du dann deine Gedanken so ein bisschen mehr ordnest, in was muss ich gehen lassen, was habe ich gelernt? 

Dann habe ich so das Gefühl, bist du sehr viel konstruktiver unterwegs, als wenn du einfach nur da sitzt und oh Gott, nichts funktioniert mehr in meinem Leben, weil es ist so. 

Also ich werde in diesem Leben, sage ich dir ganz ehrlich, kein Balletttänzer, das weiß ich. Aber es gibt natürlich viele andere Dinge, die zum Beispiel noch gehen oder irgendwie anders gehen oder Sachen, die ich jetzt deutlich besser kann als andere Leute. 

Dann sozusagen diesen diesen Wust der eigenen Gedanken mal so ein bisschen zu sortieren und zu sagen, ne Moment, ich, es ist ja nicht alles vorbei, aber es ist ein bisschen was vorbei, dass man dann sagt, okay, lass mal genau überlegen, was lasse ich los, was lerne ich neu, was muss ich verändern und was habe ich gelernt? 

So im Sinne von was hat mir das auch gezeigt, eine Perspektive auf das Leben, auf vielleicht mein Umfeld, auf andere Menschen. Dann bekommst du einen sehr viel konstruktiveren Ansatz zum eigenen Schicksal und wirst dann im besten Sinne resilienter.

Es ist hilfreich, dies mit einem Coach zusammen zu machen

Mechthild [00:16:01]:

Ja, spannend. Und es hilft ja auch, das mit einer anderen Person zu machen, mit einem Coach, der anderen auch unterstützt auf diesen Prozess.

Hendrik Heuermann [00:16:08]:

So ist es. Genau.

Mechthild [00:16:11]:

Ja, cool. Du hattest gerade das mit dem Ballett gesagt, aber ich hatte auf deiner Seite gesehen, dass du ja auch Tanzen machst oder auch verschiedene andere Sachen, dass da immer noch viel in deinem Leben ist.

Was ist noch möglich? 

Hendrik Heuermann [00:16:23]:

Genau. Also Ballett war natürlich jetzt einfach scherzhaft gemeint, aber ich gebe dir ein konkretes Beispiel. Also ich bin durch und durch Musiker. Ich habe das studiert und ich wollte immer einer sein. Trotzdem muss ich natürlich sagen, naja, also mit Rollstuhl und sage ich mal, eingeschränkter Koordination. Ich werde im Leben, glaube ich, kein weltberühmter Saxophonist. Nein, das stimmt. Aber zum Beispiel Songs schreiben kann ich ja trotzdem.

Hendrik Heuermann [00:17:03]:

Das habe ich auch sehr viel gemacht und es ist dem Sänger, der Sängerin natürlich völlig schnuppe, ob ich dabei saß und stand oder wie auch immer. Das spielt natürlich überhaupt keine Rolle, sondern es geht einfach darum zu Na gut, also Live Saxonist werde ich vielleicht nicht mehr, aber das heißt ja nicht, dass Musik aus meinem Leben raus muss. 

Und das ist mir so wichtig, dass man den Menschen eben sozusagen ist nicht durchgehen lässt, zu sagen, du hast nicht Diagnose. Das bedeutet, nichts funktioniert mehr von deinen Träumen, dass man sagt nee, nee, Moment, stopp, stopp. Vielleicht so ein paar Ausprägungen, deine Träume funktionieren nicht mehr, aber ein paar andere können jetzt noch geschehen.

Austausch mit anderen Menschen ist wichtig

Mechthild [00:18:02]:

Und da auch den Austausch mit anderen Menschen zu haben, die eben vielleicht ähnliche Erlebnisse schon hatten oder vielleicht auch schon weiter sind. Deswegen ist ja auch, finde ich auch gut, dass du so deine Geschichte auch teilst. 

Und auch auf Social Media findet man ja viele Personen, die ihren Weg so teilen, wodurch man auch verschiedene Möglichkeiten wieder sieht, was vielleicht noch alles möglich ist oder wie Dinge auch möglich sind, selbst wenn man vielleicht im Rollstuhl sitzt, dass man noch viel reisen kann oder viele Dinge auch noch so erleben kann und dass der eben auch Freiheit bedeutet und nicht nur eine Einschränkung sein muss.

Attraktivität und Behinderung 

Hendrik Heuermann [00:18:41]:

Total. Und ich bin ganz ehrlich zu dir, dass du auch so eine Erkenntnis, wo ich letztlich irgendwie fast peinlich spät erst rauskam. Ich dachte zum Beispiel immer, ich bin entweder ein völlig normaler, attraktiver Mann oder ich bin im Rollstuhl, ich bin komplett unsichtbar für Frauen. Weißt du, bis ich den ersten Typen kennengelernt habe, der wirklich ein cooler Dude war und so das Gefühl hat wow, der ist selbstbewusst, der ist durchtrainiert, er ist ja gut, der ist im Rollstuhl, aber es ist wirklich tolle Erscheinung als Mann dafür. Moment mal, der ist ja beides. Der ist also im Rollstuhl und zeitgleich attraktiv. 

Da habe ich erst gedacht es zugleich wahr sein, dass der abgefahren und ich weißt du, ich werde mal jeder hat natürlich seinen eigenen Weg mit seinem Schicksal umzugehen und wer bin ich schon anderen dazu irgendwas zu raten oder abzuraten oder so. Es geht mich gar nichts an.

Es können verschiedene Sachen gleichzeitig wahr sein

Hendrik Heuermann [00:20:03]:

Nur wenn so absolute Statements kommen, dann horche ich auf und sage in dem Moment Moment, es sind nicht alle Träume von dir weg und du wirst nicht nur ein Kerl im Rollstuhl. Du bist nicht nur jemand mit Behinderung, sondern es können verschiedene Sachen zeitgleich wahr sein und das war für mich so eine Erkenntnis, die mich echt verändert hat, wo ich jetzt auch so eine ja auch wenn es groß klingt, so eine Verantwortung spüre, wo ich so das Gefühl habe, es musst du aber weitergeben. 

Sichtbarkeit von Menschen mit Behinderung stärken

Du musst auf Social Media zum Beispiel auch zeigen, es gibt auch andere Menschen, also es gibt nicht nur die durchtrainierten Milliardäre, sondern es gibt auch normale, die haben Vor und Nachteile und jeder ist irgendwie liebenswert und jeder hat auch verdient in der Öffentlichkeit zu sein und sich zu zeigen und ich weiß nicht wie es dir geht, aber ich kenne viel zu viele Menschen mit Behinderung, die dann sagen ich habe eine Anschränkung, also bleibe ich zu Hause, verschick mich und ich also klar ist das eine schwere Zeit, aber es ist mit Sicherheit kein Grund sich von allen fernzuhalten.

Mechthild [00:21:33]:

Ja das stimmt und auch Sachen zu machen und dann natürlich aber auch die so von anderen Menschen so dass die annehmen, dass man dabei ist oder Sachen auch dass sie für alle Menschen zugänglich sind das dann nicht als was Besonderes zu sehen, weil das passiert mir auch oft, dass ich dann von anderen Menschen angesprochen ist, wie toll es denn ist, dass ich irgendwo bin, wo ich mir denke ja warum sind nicht viel mehr Menschen mit Behinderung hier? Warum ist es jetzt was Besonderes, dass ich hier bin?

Wie hat Mechthild gelernt mit ihrer Behinderung umzugehen 

Hendrik Heuermann [00:22:05]:

Was waren für dich denn die wichtigen Momente? Wie hast du umgehen lernen mit einer Behinderung, wie hast du das gemacht?

Es war ein langer Prozess 

Mechthild [00:22:14]:

Ja, es war für mich auf jeden Fall auch ein langer Prozess. Ich habe mein Behinderung ja anders als du seit der Geburt. Das heißt, in dem Sinn kenne ich das nicht anders, wie es ist. Aber natürlich ist das auch, macht es auch nicht unbedingt leichter, weil ich ja immer den Vergleich habe oder auch den Gedanken, wie könnte es sein, wenn ich die Behinderung nicht habe, auch wenn ich mit auch nicht die Behinderung nicht weg haben möchte oder so. 

Aber trotzdem ist vielleicht der Gedanke ja auch manchmal da und ich finde es auch in Ordnung, diesen Gedanken manchmal zu haben. Und trotzdem finde ich mein Leben so wie es ist, gut und toll und habe mir das auch gut aufgebaut. 

Freund*innen mit Behinderung

Was für mich wichtig war, war so der Austausch mit anderen behinderten Menschen, habe ich gemerkt, dass so andere behinderte Menschen zu sehen, die coole Sachen machen und als Vorbilder zu haben und auch als Freundinnen und Freunde zu haben, um einfach in den Austausch zu kommen und so ein Verständnis direkt zu haben, weil ich mich dann weniger erklären muss, wie meine Situation ist. Das war für mich so Erlebnis.

Achtsamkeit und Meditation üben

Und natürlich so meine eigene Praxis auch mit der Achtsamkeit und Mediation und da so eine eigene Akzeptanz für mich zu finden und auch mit diesen Gedanken und Gedankenschleifen noch irgendwie besser umgehen zu können und nicht sich irgendwie so zu verlieren, mich zu verlieren in irgendwelchen negativen Gedankenspiralen.

Mechthilds Lieblings-Achtsamkeitsübung

Hendrik Heuermann [00:23:37]:

Was ist dann die Lieblings-Achtsamkeitsübung?

Mechthild [00:23:41]:

Ja, also ich meditiere sehr gerne und das hilft mir, mich immer wieder dann zurückzuholen in den Moment. Also wenn ich merke, dass irgendwie Gedanken kommen, mir dann zu sagen, okay, ich muss da jetzt nicht mitgehen in diese Schleife, sondern ich kann sie einfach wahrnehmen, dass das jetzt vielleicht da ist, dass diese Gedanken da sind oder auch, dass dieser vielleicht auch körperliche Schmerz gerade da ist, wenn es auch die körperlichen Themen natürlich geht.

Hendrik Heuermann [00:24:08]:

Ja, sehr gut verstehen.

Achtsamkeit und Umgang mit Behinderung 

Mechthild [00:24:11]:

Genau. Ja. Hast du sonst noch irgendwas, was gerade wichtig wäre noch zu teilen zu dem Thema oder auch noch zum anderen Thema mit denen du dich beschäftigst?

Hendrik Heuermann [00:24:20]:

Genau, ich finde, glaube ich, dass das Thema Achtsamkeit und Umgehen mit Behinderung wirklich toll. Also darum bin ich da auch so sofort angesprungen, als du mich da eingeladen hast, weil ich glaube nicht daran, dass es so simpel ist, dass man sagt, Behinderung ist nur sozusagen ein Zeichen deines Körpers und sobald du ihn verstanden hast, geht die auch wieder weg. 

So einfach ist das nicht. Und ich glaube, du und ich, wir beide hatten schon Menschen, da möchtest du ins Gesicht sprechen vor Wut, wenn jemand sowas sagt. Vor allem, wenn der Mensch dann gesund ist und überhaupt keine Ahnung hat, wie das Leben so ist im Rollstuhl.

Achtsamkeit ist auch, mal eben nichts zu müssen 

Aber ich versuche es mal mit einer ganz einfachen Erklärung. Also was Achtsamkeit für mich war, war auch dieser Moment, mal eben kurz 10 Minuten nicht zu müssen. Und das fällt schon gesunden Menschen total schwer.

Hendrik Heuermann [00:25:28]:

Aber wenn du, wenn du eh schon viele körperliche Themen hast, ist das oft noch schwerer, weil ständig, ich meine, wem sage ich das? Du weißt das natürlich, oder ständig zieht und zwickt da irgendwas und du hast das Gefühl, warte mal, sollte sich das so anfühlen? Und ich zumindest kam ziemlich schnell in so eine Schleife, dass ich ständig darüber nachgedacht habe, wie ist mein Körper und was musste ich tun und könnte ich irgendwas optimieren und so. 

Immer wieder den Abgleich mit einem Ideal-Bild

Gerade bei Menschen, die eine fortschreitende Krankheit haben, also eine, die oft schlimmer wird über die Zeit, ist so ein ständiges Abgleichen mit so einem entweder Idealbild oder ein Bild von, warte mal, letzte Woche war das so, letztes Jahr war das so, wie fühlt sich das an und so. Und aus dieser permanenten Analyse musst du mal raus, das nicht durchhalten. 

Also weder dein Gehirn noch deine Seele können das leisten. Und darum glaube ich auch so sehr daran, dass Leute, du musst ja nicht zum Meditations-Meister werden über Nacht und du musst auch nicht stundenlang meditieren, das weißt du genau wie ich.

Kurz wieder in den gegenwärtigen Moment zurückkommen

 Es geht eher darum, dass du mal kurz dich wieder in den Moment holst und auch aufhörst zu grübeln und zu analysieren und zu überlegen, wie bin ich im Raum und wie war das gestern und wie ist das morgen und so weiter. Einfach mal nicht müssen. Und dann gibt es natürlich drei Millionen Techniken und ich sage immer, ey, ganz ehrlich, nimm die Technik, die dir am leichtesten fällt.

Es gibt viele verschiedene Meditations-Formen

Hendrik Heuermann [00:27:36]:

Also wenn du jemand bist, der gern geführt wird bei Meditation, mach das. Oder wenn du das Gefühl hast, nee, ich will selber nachdenken, ich brauche nur so eine Entspannungsmusik, nimm das. Oder wenn du gar nichts brauchst, dann machst du eine auf Sen, dann setzt du dich einfach in Ecke und schaust die Wand an für zehn Minuten. Also es gibt ja ohne Ende Techniken und da würde ich einfach immer empfehlen, nimm die, die dir am besten gefällt und dann machst du die.

Mechthild [00:28:14]:

Ja, das finde ich gute Zusammenfassung von dem, was Achtsamkeit für mich bedeutet und auch mit den verschiedenen Möglichkeiten, die man hat, auch zum Beispiel rauszugehen in die Natur und zu laufen wie eine Art Gehmeditation, ist ja auch eine super Möglichkeit, wenn das mehr ist oder wenn du mehr Aktive brauchst, wie Yoga und mehr auf den Körper noch zu hören ist, da gibt es so viele Möglichkeiten, was für sich selber zu tun.

Unterschied von Diagnose und Prognose

Hendrik Heuermann [00:28:45]:

Eine Sache noch vielleicht, die ich unbedingt loswerden möchte, das ist so ein bisschen, dass man die Lebensaufgabe geworden, den Leuten klarzumachen, dass ein Riesenfehler oft im schulmedizinischen Kontext passiert zwar, dass in vielen Momenten, wo Ärztinnen und Ärzte eine schwere Diagnose überbringen müssen, ich meine es auch nicht gerne, muss ich nichts vormachen, sondern es ist ja auch schlimm für die betroffenen Personen. 

Viele Ärzte machen die trotzdem einen riesen Fehler, der ganz viele Probleme nach sich zieht und zwar viele, viele, viele vermischen Diagnose und Prognose. 

Und während die Diagnose nichts anderes ist als schwarz weiß, schwarz auf weiß, das ist fix, das ist die Wissenschaft, das ist vielleicht ein Gentest, vielleicht bestimmte Blutwerte oder sowas ist die Diagnose kann fix sein und die Prognose, also die Frage, wie geht es weiter, ist völlig unklar. 

Diesen Cut zu machen und diese Unterscheidung im Kopf hinzukriegen und sagen, Moment, sie sind Experte für Diagnosen und alles im Bereich Zukunft ist Wahrscheinlichkeitserhöhung. Was sie mir darlegen, ist zum Beispiel ein Mittelwert. Aber niemand sagt ja, dass du nicht vielleicht einen völlig anderen Outcome hast. Weiß man nicht, weiß keiner. Und diese Unterscheidung zu machen, ist so entscheidend für mich und das will ich wirklich allen Leuten zu rufen.

Durch den Austausch mit anderen zu sehen, welche Möglichkeiten es gibt

Hendrik Heuermann [00:30:51]:

Die Diagnose kann sein wahr sein und Prognose falsch.

Mechthild [00:30:56]:

Okay, ja, auch ein wichtiger Erinnerung. Und ich finde dafür ist ja auch der Austausch mit anderen, die vielleicht eine ähnliche Diagnose haben, auch wichtig, um zu sehen, was da die Möglichkeiten sind, wie es genau. Und das macht ja dann auch natürlich Angst, wenn man so eine Prognose bekommt auf die Diagnose.

Hendrik Heuermann [00:31:17]:

Ja klar. Und wenn dann jemand, ein Mensch in Kittel vor dir steht und sagt, eigentlich ist ihr Leben vorbei, also es ist.

Mechthild [00:31:28]:

Schon echt ein Tiefschlag, aber dann ist gut, dass du mit deiner Arbeit ja auch Menschen wieder unterstützt damit umzugehen. Genau, wir sind ja schon fast so am Abschluss, wenn du noch mal sagen willst, wie man vielleicht dich finden kann, wo man dich finden kann, was genau du machst, anbietest.

Mit Hendrik in Kontakt bleiben 

Hendrik Heuermann [00:31:51]:

Genau, also ich freue mich einfach, wenn man auf dem Laufenden bleiben möchte. Man findet mich unter hendrik-heuermann.de, meine Webseite. Sonst findet man mich aber auf Insta und wenn man eher so Interesse an dem Führungskräfte Ding hat, auf LinkedIn habe ich einen Newsletter und erzähl oft, worauf es ankommt in meinen Augen, wenn man sich auf Krisen vorbereiten möchte. Und in den App Stores findet man mein Programm und kann sich da einfach jederzeit einfach loslegen und sich selber Vorbild nehmen im Umgang mit Sternzeichen.

Mechthild [00:32:37]:

Ja, spannend. Das werde ich auch noch mal verlinken in dem Blogpost ich hier zu mache mit dem Transkript unserer Folge und auch natürlich in den Show.Notes zu der Podcast-Folge, die ihr dann direkt beim Hören auch findet. 

Die Selbstfürsorge von Hendrik

Genau. Die letzte Frage, bevor wir abschließen, ist, was deine eigene Selbstfürsorge in deinem Alltag ist, was du für dich machst, damit es dir gut geht.

Schlagzeug spielen 

Hendrik Heuermann [00:33:05]:

Autsch. Also du hast insofern eine Wunde, weil es mir schwerfällt oft so Zeit für mich zu nehmen. Es fällt mir leicht, Zeit für andere zu nehmen, als fällt mir nicht leicht, die Zeit für mich zu nehmen. Mein neuestes Ding ist, ich habe mir ein Elektro Schlagzeug gekauft und wie jetzt gerade Schlagzeug spielen und völlig ohne Druck und ohne Erwartungen an mich und ich prügel einfach ein bisschen auf den Trommeln rum und habe eine gute Zeit und das ist gerade mein Selbstfürsorge, weil nichts kriegt aktuell den Kopf so gut frei wie beim Schlagzeug spielen.

Mechthild [00:33:55]:

Ja cool. Das ist auch eine gute Sache für die eigene Selbstfürsorge, Musik machen oder kreativ sein und ohne Erwartungen und ohne was zu direkt machen zu wissen. Ja, cool. 

Abschluss der Folge

Vielen Dank für deine Zeit und dass du das alles hier mit uns geteilt hast und die Tipps und Tricks auch. Dann freue ich mich auf die Rückmeldung vielleicht von den Zuhörern und Zuhörern und dann bis zum nächsten Mal. Macht’s gut. Tschüss.

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