Folge 16 – Crip Time, Achtsamkeit und Routinen

In der 16. Folge von inklusive Achtsamkeit der Podcast spreche ich über das Konzept der Crip Time, wie wir unsere eigenen Routinen gestalten können und wie Achtsamkeit bei all dem dabei ist. Hier kannst du direkt in die Folge reinhören.

Bunte Kachel mit dem Text inklusive Achtsamkeit Der Podcast für Achtsamkeit und Inklusion. Darunter steht Folge 16 Crip Time, Achtsamkeit und Routinen darunter steht inklusiveAchtsamkeit.de Daneben ein Porträt von Mechthild.

Die erste Folge für 2023! Wie schön, dass du wieder da bist. Da es ja der Anfang des Jahres ist, wollte ich eine Folge über Planung und Routinen machen. Und dann wollte ich auch etwas zum Begriff der Crip Time machen. Darüber habe ich in der letzten Zeit mehr gelesen und wollte dieses Konzept in der Folge vorstellen. 

Hier kannst du dir die Folge direkt anhören:

Natürlich findest du die Folge auch auf jeder anderen Podcast-Plattform.

Themen in dieser Folge

  • Was ist Crip Time?
  • Crip Time und normative Zeit
  • Den Alltag mit der Crip Time – Brille anschauen
  • Die Arbeitswelt und Crip Time
  • 6 Punkte, wie wir auf Crip Time schauen können 
  • Crip Time und Achtsamkeit
  • Ein eigenes Beispiel für Crip Time in meinem Leben
  • Routinen im Alltag
  • Mit Achtsamkeit auf eigene Routinen schauen

Erstmal, was ist Crip? 

Bevor wir mit dem Thema Crip Time starten, möchte ich den ersten Teil dieser Zusammenstellung anschauen. 

Das Wort Crip bedeutet auf Deutsch Krüppel und viele zucken dabei jetzt sicher zusammen. Es geht aber darum, sich das Wort auch wieder zurückzuerobern und auch mit anderen Sachen zu besetzen. Im Deutschen sind wir ja teilweise noch dabei, das Wort “behindert” wieder positiver zu besetzen. Obwohl es natürlich auch im deutschsprachigen Raum in den 80er Jahren die Krüppel-Bewegung gab, als eine der ersten aktivistischen Gruppen zur Stärkung der Rechte von behinderten Menschen. 

Die Definition von Crip Time

Die extra Zeit, die wir für unsere täglichen Aufgaben brauchen – für unsere Pflege, zum Ausruhen, um von A nach B zu kommen bei Terminen (wegen Aufzügen etc)

Kommt von Sara Hendren aus dem Buch “What can a body do” oder von Alison Kafer. Hier habe ich in den Artikeln, die ich gelesen habe, unterschiedliche Angaben gefunden.

Von Alison Kafer habe ich auch ein schönes Zitat zur Cripe Time gefunden:

„Anstatt den Körper und den Geist von Behinderten an die Uhr anzupassen, passt die Crip-Time die Uhr an den Körper und den Geist von Behinderten an.“

Alison Kafer

 Hier findet ihr eine gute Definition von Crip-Time in einfacher Sprache.

Crip Time und normative Zeit 

Crip Time steht im Konflikt zur “normativen” Zeit, was nicht-behinderte Menschen für Zeit für eine Aufgabe brauchen/für ihr Leben brauchen oder sich selbst setzen

Wie wir die Zeiteinteilung in unserem Alltag gestalten

Was sind deine Bedürfnisse? Wie kannst du in deinem tagesablauf Zeit dafür finden?

Crip Time auch als Befreiung, feiern, dass Zeit nicht für jede Person gleich ist, sondern dass physische und kognitive Faktoren auch das Zeit-Verständnis mit beeinflussen. 

Normative Zeit ist künstlich und kann verändert und angepasst werden. Zur normativen Zeit zählen Konzepte, wie die Arbeitszeit von 9 bis 5 oder auch das Leben in Meilensteine einzuteilen, was bis wann erreicht sein sollte oder muss. Auch Entwicklungsschritte bei Kindern

Das Konzept der Crip Time zeigt, dass die exkludierend ist und nicht für jede behinderte Person so möglich ist. 

Den Alltag mit der Crip Time – Brille anschauen

Wenn wir uns unseren Alltag mit der Brille der “Crip Time” anschauen, können wir sehen, wie unzugänglich viele Teile des “alltäglichen” Lebens für viele Menschen sind. Es kann auch für jede Person irgendwann einmal auftreten, dass sie mehr Zeit brauchen. Sei es, wenn im Laufe des Lebens eine Behinderung oder chronische Erkrankung erworben wird oder auch durch Ereignisse von Außen wie der Lockdown durch Corona, wo auch viel, was geplant war, abgesagt werden musste und das Gefühl aufgetreten ist, dass die Zeit anders fließt und wir nicht mehr alles so machen können wie vor Corona. 

Arbeit und Crip Time

Das hat auch Implikationen für die Arbeits-Welt. Auch hier wird dadurch eine Veränderung in der Art, wie wir Arbeiten, notwendig. Wir haben in den letzten drei Jahren gemerkt, dass Arbeit auch anders organisiert sein kann. Dass wir vom Home-Office aus arbeiten können, uns unsere eigenen Arbeitszeiten flexibler einteilen können. Und wir haben gemerkt, dass dies für viele Personen einen Vorteil bringt. Wofür viele behinderte Personen lange kämpfen mussten, um flexibler zu arbeiten, öfter von zu Hause arbeiten zu dürfen, war auf einmal möglich. Und diese Flexibilität wird jetzt bleiben. 

Dazu habe ich noch zwei Artikel von Forbes.com gefunden.

Artikel 1

Artikel 2

6 Punkte, wie wir auf Crip Time schauen können 

Die Autorin Ellen Samuels hat ein Essay zum Thema Crip Time geschrieben und darin 6 Punkte genannt, wie sie auf Crip Time schaut. Ich werde zu einigen Punkten etwas sagen, aber manche auch nur nennen, da ich euch das Essay auch noch empfehle zu lesen, wenn ihr auf Englisch lesen könnt. Ich habe die Punkte übersetzt, also verzeiht mir, wenn ihr das Essay auf Englisch lest und es anders übersetzt hättet. 

  1. Crip Time ist eine Zeitreise: manchmal fühlen sich unsere Körper älter an, als die Zahl, die auf unserem Ausweis steht. Wir machen Sachen, die sonst vielleicht eher viel jüngere oder viel ältere Leute machen. Als ich Ende 20 war, war ich für einen Monat in der Reha, wo sonst vor allem ältere Leute waren. 
  2. Crip Time ist eine Zeit der Trauer. Dem nachtrauern, was für uns nicht mehr möglich ist oder vielleicht nie möglich ist. Viele Aktivitäten kann ich einfach nicht machen und manchmal macht mich das traurig und das darf es auch. 
  3. Crip Time ist eine zerbrochene Zeit. Wir müssen neue, für uns passende Routinen finden, um unser Leben zu gestalten. Ganz bewusst Pausen einbauen. Immer wieder auf unseren Körper hören. Und hier kommt für mich natürlich die Achtsamkeit ins Spiel, wozu ich gleich noch etwas sagen möchte.
  4. Crip Time ist Kranken-Zeit. Wir verbringen viel Zeit mit Krank sein, heilen und auch dies macht es für uns oft schwierig in einem Job von 9 bis 5 zu arbeiten. 
  5. Crip Time ist Schreib-Zeit. Viele von uns nutzen die Zeit, um zu schreiben. Sei es für einen Blog, ein Buch oder auch auf Instagram, da dies uns Möglichkeiten gibt, mit anderen Leuten in Kontakt zu kommen und unsere Ideen zu teilen. Oder auch Podcast-Zeit!
  6. Crip Time ist Vampir Zeit. Wir können vieles nur von außen anschauen. Wir fühlen uns vielleicht wie Vampire von Zeit zu Zeit, da wir wenig Energie haben und am liebsten nur schlafen wollen. 

Für mich war es auf jeden Fall spannend, wieder ein Wort für etwas zu finden, was ich selbst schon oft in meinem Leben erlebt habt. Den dadurch wird meine eigene Erfahrung teilbar und kann ich mich mit anderen Personen darüber austauschen.

Auch fand ich es spannend, dass wir hier natürlich auch wieder mit der Brille der Achtsamkeit nach schauen können. Als Person, die mit Crip Time lebt, müssen wir einfach viel achtsamer sein, für alles was so passiert. Wir müssen bewusst mehr Zeit für Dinge einplanen. Wir schauen genauer hin, was unser Körper gerade braucht. 

Ein Beispiel für Crip Time aus meinem Leben

Zum Beispiel brauche ich morgens immer zwei Stunden Zeit, bis ich bereit für den Tag bin. Das kann für Menschen, die keine Behinderung haben, vielleicht erstmal komisch sein. Aber ich brauche schon immer mehr Zeit mich anzuziehen und ich möchte in Ruhe frühstücken. Und ja, ich kenne auch Leute ohne Behinderung, die morgens mehr Zeit brauchen. Aber im Notfall könnte diese Person wahrscheinlich auch einfach mal aus dem Bett springen und sich in ein paar Minuten anziehen und starten. Ich hatte solche Situationen vielleicht zwei bis drei Mal in meinem Erwachsenen-Leben, wenn der Wecker mal zu spät geklingelt hat und es hat mich immer unglaublich gestresst, deswegen schaue ich immer ganz genau, ob ich meinen Wecker gestellt habe.

Das ist ein Beispiel oder auch, dass ich manchmal mich schon nach dieser Morgenroutine wieder ausruhen muss. Was ich ja auch in der Folge über Achtsamkeit für Spoonies schon geteilt habe.

Routinen im Alltag

Um noch auf das Thema der Routinen zu kommen, hier achtsam nachzuschauen, wie ich meinen Tagesablauf gestalten kann, dass er für mich passt und ich mich darin zurechtfinden kann. Und auch keiner anderen Person eine Erklärung darüber schuldig bin, auch wenn das natürlich nicht immer einfach ist. Da kommt wieder das Thema, des eigenen Leistungs-Anspruchs und was wir von uns selbst erwarten und was andere Personen von uns erwarten. 

Wie sehen meine Routinen gerade aus? 

Wie sehen deine eigenen Routinen aus? Natürlich kannst du jetzt den Anfang des Jahres dafür nutzen, um noch einmal zu schauen, ob für dich alles so passt. Aber das musst du nicht, du kannst immer wieder im Laufe des Jahres gucken, was sich gerade für dich gut anfühlt und wo du vielleicht etwas verändern möchtest. Bei mir ist es zum Beispiel immer wieder mein Handy-Konsum. Ich merke es, dass es sich bei mir immer einschleicht, dass ich zu viel Zeit auf Social Media verbringen und dann immer wieder ganz bewusst anschaue, was ich zum Beispiel stattdessen machen kann. Ich versuche dann gerade also wieder mehr zu lesen. Und ich weiß auch schon, dass es sich wahrscheinlich immer wieder einschleichen wird und ich dann zu dem Zeitpunkt, wieder nach anderen Strategien schauen kann.

Mit Achtsamkeit auf eigene Routinen schauen 

Hier hilft es mir durch die Achtsamkeit immer wieder flexibel nachzuschauen und mich auch nicht selbst so sehr zu verurteilen, wenn ich merke, dass sich wieder Dinge einschleichen, die ich nicht so toll finde. Und dann wieder etwas daran zu ändern und etwas neu und anders zu machen. 

Auch hilft es mir, bewusst Zeit für verschiedene Sachen einzuplanen. Also auch bewusst Zeit, für Social Media. Den dann wird es nicht etwas, wo ich immer wieder nach schauen muss, sondern ich habe bewusst Zeiten, wo ich auf Instagram sein kann und dann gibt es wieder Zeiten für andere Dinge. Sonst habe ich oft so ein schlechtes Gewissen, weil die Zeit so übernommen wird und ich dann auch nicht das mache, was ich alternativ gerne machen würde, in meinem Fall Zeit für das Lesen zu haben.

Wie ist es bei dir? Schaust du dir regelmäßig deine eigenen Routinen an, ob es für dich noch passt und planst du dir auch bewusst Zeiten in deinen Kalender ein für die verschiedenen Dinge, die du gerne machst? 

Dies kannst du für dich zum Nachdenken oder Journaln nutzen. Schreib mir auch gerne an podcast@inklusiveachtsamkeit.de 

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